Lkw-Fahrermangel: ein Sicherheitsrisiko

 

Seit mehreren Jahren verschärft sich der Mangel an Lastwagenfahrern und stellt weiterhin eine große Herausforderung für den Transportsektor in ganz Europa dar. Bereits 2022 warnte die International Road Transport Union (IRU) vor einem besorgniserregenden Trend: Voraussichtlich 30 % der Fahrer würden zwischen 2022 und 2026 in Rente gehen, ohne dass für ausreichend Ersatz gesorgt wäre. Heutzutage ist dies eine unbestreitbare Tatsache, die nicht nur zur Unterbrechung von Güterströmen und Lieferketten führt, sondern auch die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitskräften beeinträchtigt.  

 

Eine beunruhigende Lage 

Eine von Geotap im April 2025 unter 3.501 Kraftfahrern von Nutzfahrzeugen in Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich durchgeführte Studie verdeutlicht das Ausmaß an Stress in der Branche. Die meisten Fahrer haben das Gefühl, dass arbeitsbedingter Stress sich negativ auf ihre Fahrweise auswirkt, und fast jeder Zweite (47 %) denkt über einen Berufswechsel nach. Und es gibt noch mehr Grund zur Sorge: 95 % sind der Ansicht, dass das Unfallrisiko in den letzten fünf Jahren gestiegen ist. 

Mentale Gesundheit ist nach wie vor ein heikles Thema: Mehr als die Hälfte der Fahrer (55 %) spricht darüber ungern mit ihrem Arbeitgeber, und 37 % beurteilen die von ihrem Unternehmen geleistete Unterstützung als unzureichend oder gar nicht vorhanden. Die Experten sind sich einig, dass die Situation nun als Krise bezeichnet werden kann: Es gibt in Europa über 200.000 unbesetzte Stellen für Lastwagenfahrer, ein Defizit, das laut McKinsey auf 745.000 im Jahr 2028 anwachsen könnte. 

 

Störung in der Logistik und wirtschaftliche Folgen 

Es überrascht nicht, dass der Arbeitskräftemangel spürbare Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette hat. Dazu gehören Lieferverzögerungen, unzureichende Lagerbestände und steigende Transportkosten (einschließlich Gehälter und Zulagen), die letztlich auf die Produktpreise umgelegt werden. Die Situation hat auch zu einer Zunahme an Konkursen innerhalb des Sektors beigetragen (+39 % im Jahr 2024). Laut einem Weißbuch von Teleroute geben 51 % der Transportunternehmen an, aufgrund dieser strukturellen Krise kein Wachstumspotenzial zu haben. 

 

Erhöhte Sicherheitsrisiken an den Laderampen 

Abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen stellt der Fahrermangel ein erhebliches Sicherheitsproblem dar, besonders an den Laderampen, die in Lagerhäusern zu den Bereichen mit der größten Unfallgefahr zählen. Verschiedene Faktoren verschärfen die Risiken: 

  • Unternehmerischer Druck: Enge Fristen führen zu beschleunigten Vorgängen und erhöhen so das menschliche Fehlerrisiko.  
  • Mangelnde Erfahrung: Die Hinzuziehung von weniger erfahrenen Fahrern kann die Kommunikation mit den Teams an der Laderampe erschweren.  
  • Übermüdung und Stress: Erschöpften Fahrern passieren eher kritische Fehler, wie z. B. vorzeitiges Wegfahren von der Laderampe.   
  • Schlechte Koordinierung: Das Fehlen genauer Abläufe oder die Nichteinhaltung dieser Abläufe kann zu ungesichertem Losfahren von Lastwagen führen.  

Zur Vermeidung dieser Unfälle, die jährlich 25 % aller Betriebsunfälle ausmachen, hat die Sicherung von Laderampen absolute Priorität. Der Einsatz von Radrückhaltesystemen, die Umsetzung strikt einzuhaltender Verfahren und bedarfsgerechter Schulungen und Nachschulungen sind für den Schutz sowohl der Fahrer als auch der Lagerhausmitarbeiter unerlässlich. 

 

Initiativen zur Einstellung und Bindung von Personal 

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, entstehen aktuell verschiedene Initiativen zur Anwerbung und Bindung von Arbeitskräften. Der Social Fund for Transport and Logistics (STFL) mit Sitz in den Niederlanden hat die Kampagne „Dream 2 Drive“ gestartet, die darauf abzielt, über Plattformen wie TikTok und Snapchat jüngere Generationen anzusprechen. 

Gleichzeitig bieten die Unternehmen deutlich höhere Gehälter, um gegen den Fahrermangel anzugehen und die Anstrengungen der Fahrer anzuerkennen, die oftmals viele Stunden am Steuer unterwegs sind. In den Niederlanden kam es durch die Strategie zu einem Rekord beim Lohnwachstum: Die Durchschnittsgehälter der Lastwagenfahrer stiegen im letzten Quartal um 13,4 %, die höchste Zunahme in allen Branchen. 

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Quellen:

Der Fahrermangel lässt die Löhne der Lkw-Fahrer in die Höhe schnellen – Flows

Die Hälfte der europäischen Lkw-Fahrer erwägt, wegen des Stresses den Job zu wechseln – Flows

Wie sich Stress auf das Fahrverhalten auswirkt

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